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Patente ziehen Investoren an und bieten unternehmerische Freiheit

Ein Patent ist viel mehr als nur der juristische Schutz eines Produkts. Es ermöglicht eine Erweiterung der finanziellen Perspektive und macht ein Unternehmen für Investoren interessanter. Patentanwalt Johannes van Melle erläutert die Vielseitigkeit eines Patents und zwei Unternehmen erzählen von ihren Beweggründen.      

„Im Grunde genommen ist ein Patent ein Ausschließlichkeitsrecht für den Schutz eines Produkts, doch in der Praxis ist es mehr als das“, sagt Johannes van Melle, europäischer Patentanwalt und Partner bei V.O. Patents & Trademarks. „Man hat einen Trumpf in der Hand, der im Technologiebereich eine andere Art von Verhandeln möglich macht. So kann man Partner gewinnen oder Investitionen erreichen, die sonst unerreichbar bleiben würden.“

Es gibt zahlreiche Gründe sich im Rahmen der Unternehmensstrategie für ein Patent zu entscheiden. Um dies zu untermauern führt Van Melle The Ocean Cleanup an. Diese Non-Profit-Organisation hat ein Patent auf ihre Innovation für die Reinigung der Ozeane. Von Melle sagt: „Mit dem Patent sichert sich The Ocean Cleanup ihre Technologie und hat zudem die Regie über die Anwendung ihrer Innovation in den Händen.“

Ellen Hoogland, General Counsel bei The Ocean Cleanup, sagt dazu: “Wir haben das Patent angemeldet, weil wir weiterhin alle Handlungsfreiheit behalten wollen.“ Das bedeutet für sie, dass sie frei an der Innovation arbeiten können, ohne zu riskieren, dass eine andere Partei das Patent anmeldet. „Wir möchten verhindern, dass Teile unserer Technik von Anderen bereits patentiert werden, mit der Folge, dass wir nicht frei entwickeln können und in unseren Möglichkeiten eingeschränkt sind.“

Auch entschied sich die Organisation für eine Patentanmeldung, weil sie während der Entwicklung der Innovation noch nichts veröffentlichen wollten. Hoogland erläutert: „So können wir unsere Technologie verwenden, ohne von Dritten blockiert zu werden. Es wäre für unsere Organisation äußerst schädlich, wenn unsere Technologie für umweltunfreundliche Zwecke oder Fischerei eingesetzt wird. Mit dem Patent halten wir die Regie in unseren Händen. Das ist ein anderer Ansatz als der vieler anderer Unternehmen, die ein Patent anmelden, um Dritte vom Markt zu halten und so ihre Marktposition zu verbessern. Das ist nicht unsere Motivation für die Patentanmeldung.“

Partner und Patente
Ein wichtiger Vorteil eines Patents ist zudem, dass es Investoren Sicherheit bietet. Es steht unumstößlich fest, dass die Idee tatsächlich innovativ ist und außerdem Eigentum ist und bleibt. Ein Patent kann Investoren überzeugen. „Sie sehen ein Patent als einen Bonus, der in bestimmten Situationen die Ertragschancen erhöht“, erläutert Van Melle.

Investoren Sicherheit zu bieten war für das Unternehmen Bambi Medical ein Grund, für eine Patentanmeldung die Leistungen von V.O. in Anspruch zu nehmen. Bambi Medical entwickelt den Bambi Belt, einen weichen, hautfreundlichen und drahtlosen Gurt mit vielen Sensoren, der um die Brust eines Frühgeborenen befestigt wird. Diese Sensoren erfüllen die gleichen Funktionen wie die derzeit üblichen Elektroden, die auf die Brust des Neugeborenen geklebt werden. Ein kleines Sensormodul schickt die gewonnenen Daten zum Monitor. Laut Bambi Medical werden durch den Gurt Schmerzen und Stress bei Babys verringert und den Eltern durch den drahtlosen Bau des Gurtes ermöglicht, ihr Frühgeborenes am Bauch zu tragen.

Der Gründer und Chief Medical Officer des Unternehmens ist der pensionierte Neonatologe Sidarto Bambang Oetomo. „Die letzten zehn Jahre meiner Laufbahn war ich Teilzeit als Professor im Bereich des Produktdesigns tätig. Ich habe einige Prototypen entwickelt, die Schmerzen und Stress bei Kindern in Brutkästen verringern. Nun ist unsere Hoffnung, dass wir Bambi Belt auf den Markt bringen können.“ Das Unternehmen möchte Investoren mit dem Patent Sicherheit bieten. „Ich stelle fest, dass die Patentanmeldung uns weiterhilft. Die uns am häufigsten gestellten Frage war: „Wieso gibt es diese Lösung noch nicht?“ Der Bambi Belt ist eine logische Lösung, doch die Idee muss man erst einmal haben. Ein Investor möchte vor dem Risiko der Nachahmung abgesichert sein. Ohne Patent ist eine Investition in das Unternehmen bedeutend weniger attraktiv.“ Die erste Investitionsrunde fand mittels Crowdfunding statt. Jetzt setzt sich Bambi Medical für mehr Investitionen ein, mit dem Ziel, das Produkt tatsächlich auf den Markt zu bringen. Ein funktionsfähiger Prototyp ist inzwischen verfügbar und in den Niederlanden und Schweden finden in der zweiten Hälfte von 2018 die ersten klinischen Tests statt. Erst danach kann der Bambi Belt in Krankenhäusern weltweit eingeführt werden.

Dieser Artikel erschien in ausführlicher Form in niederländischer Sprache im „Technisch Weekblad“.

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